Archiv für 5. Februar 2009

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Verlust des weltlichen Mitspracherechts?

5. Februar 2009

 

Führungsfigur oder Spielfigur?

 

“Vatikan entsetzt über Kritik aus Deutschland”

So oder so ähnlich war es heute in den Schlagzeilen zu lesen… Der Vatikan sei “über die offene Kritik verärgert”. Woanders ist zu lesen er [der Vatikan] sei “geradezu entsetzt”. Dass den Herren in Rom Kritik jeglicher Art nicht gefällt war zu erwarten, aber wenn man auf heute.de lesen kann “Es herrsche der Eindruck, dass in Deutschland jetzt alle antikatholischen Ressentiments an die Oberfläche kämen” und damit auf billigste Weise à la Bild versucht wird Mitleid zu heischen lässt mich an deren Weltlichkeit und nicht zuletzt Weltverbundenheit zweifeln.

Auch wenn Bundestagspräsident Lammert zu einer Ehrenrettung herbei eilt und die Kritik im Nachhinen als “nicht fair” bezeichnet, sollte er das Engagement der deutschen Politiker in dieser Sache nicht schmälern. Denn es ist schon beachtlich, dass eine Christliche Union direkte öffentliche Kritik am Papst zulässt, ja sogar äußert und nicht nur schönredet.  Es war richtig, dass die Entscheidung des Papstes den Holocaust-Leugner zu rehabilitieren in Frage gestellt und sogar verurteilt wird. Die Kirche maßt sich an Politik beeinflussen zu wollen, dann muss sie sich auch gefallen lassen, dass sich die Politik zu ihren Entscheidungen äußert.

Wirklich überrascht war ich jedoch von den Äußerungen der Kirchenvertreter in Deutschland. Aus vielen Ecken ertönte Kritik und die Bischöfe distanzierten sich doch sehr deutlich von Papst Benedikt XVI. ohne jedoch scharfe Kritik zu üben. Auch von einem erwartetenBruch mit den Piusbrüdern war zu lesen, so bleibt abzuwarten wie stark der aktuelle Papst wirklich ist und ob es ihm gelingt diesen hässlichen Zwischenfall zu lösen. Davon hängt die Rechtfertigung des weltlichen Mitspracherechts ab, nicht nur die Glaubwürdigkeit in der eigenen Glaubensgemeinde.

Die Hauptstreitfigur in diesem Trauerspiel indes, Richard Williamson, setzte sich ab und ist für niemanden zu sprechen. Ja so groß scheint seine Angst zu sei, dass er einen Unterschlupf wählte der streng bewacht wird. Bleibt zu hoffen, dass ähnliche Fanatiker keinen weiteren Einfluss auf den Papst haben werden.

ah

Nachtrag:

Jetzt wird ernsthaft darüber gestritten inwieweit sich die Politik in die Angelegenheiten der Kirche einmischen darf.

Das kann doch wohl nicht ernsthaft gefragt werde bei solch einem Thema. Die Pius Brüder bewegen sich auch in Deutschland und wenn nun der Papst einen der ihren rehabilitiert, dann legitimiert er deren Überzeugungen im Bezug auf den Holocaust. Dagegen kann und muss die deutsche Politik vorgehen, mag die Kanzlerin Protestantin sein oder nicht.

Und noch eins sei angefügt: die Kirche wartet auf eine Äußerung des Robert Williamson…  wartet sie auf ein Wort des Bedauerns? Oder dass er seine Äußerungen zurücknimmt welche er seit Jahren publiziert? Darüber kann man wirklich nur den Kopf schütteln, ob dieser Naivität – oder Ignoranz.

 

 

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